In acht Tagen kann ich da sein.

Feld­no­tiz mit recher­chier­ter Ein­ord­nung. Game Access, Brno, Mai 2026.

Brno, Ende Mai, zwei­ter Tag der Game Access. Auf der Büh­ne sit­zen zwei Män­ner, die zusam­men auf mehr Umzü­ge kom­men als man­che Spe­di­ti­on. Miloš Jeřá­bek, Exe­cu­ti­ve Pro­du­cer bei Ten­cent, hat quer über Län­der und Stu­di­os gear­bei­tet. Lukáš Codr ver­ant­wor­tet bei Vir­tu­os die Qua­li­täts­si­che­rung. Der Pro­gramm­text ver­spricht ein ehr­li­ches Gespräch über inter­na­tio­na­le Relo­ca­ti­on, roh, komisch, prak­tisch, aus­drück­lich kei­ne Kon­zern­ant­wor­ten. [1]

Genau das lie­fern die bei­den. Ihre Sta­tio­nen klin­gen wie ein Flug­plan: Irland, Malay­sia, Finn­land, Minsk, Tsche­chi­en, Polen. Einer von ihnen erzählt die Anek­do­te, die den gan­zen Ton trifft. Bei einem neu­en Job im Aus­land habe man ihm ange­bo­ten, ihn am Flug­ha­fen abzu­ho­len, damit er den Weg ins Büro fin­de. Sei­ne Reak­ti­on: Wenn ich es nicht ein­mal schaf­fe, allein vom Flug­ha­fen ins Büro zu kom­men, soll­te ich viel­leicht gar nicht erst in die­ses Land über­sie­deln. Er hat den Weg dann selbst gesucht, vor Goog­le Maps und Über­set­zungs-App, mit Mühe, aber er kam an.

Die­sel­be Hal­tung in einer ande­ren Sze­ne. Bei einem Job­an­ge­bot im Aus­land habe man ihn gefragt, wann er da sein kön­ne. Sei­ne Ant­wort war kein Zögern, son­dern eine Rech­nung. Ein Visum für Chi­na dau­ert sie­ben Tage, der Flug einen Tag, also in acht Tagen. Wer so ant­wor­tet, hat die Fra­ge, ob er es kann, längst hin­ter sich gelas­sen.

Die Hal­tung dahin­ter beschreibt er so: Man sol­le sich einen Schat­ten der frem­den Kul­tur auf sich legen, Respekt zei­gen und akzep­tie­ren, dass man die Kul­tur nicht ändert, son­dern sich ihr anpasst.

Das ist der Ton: jemand, der das Umzie­hen liebt und trotz­dem nichts beschö­nigt. Eine ihrer Aus­sa­gen blieb mir beson­ders hän­gen. Sta­tis­tisch, sag­te einer der bei­den, gin­gen 75 Pro­zent aller Bezie­hun­gen dabei kaputt. Nicht alles aus dem alten Leben lässt sich an den neu­en Ort mit­neh­men. Ich habe spä­ter ver­sucht, die­se Zahl zu veri­fi­zie­ren. Was ich statt­des­sen fand, erzäh­le ich wei­ter unten, denn es ist auf­schluss­rei­cher als die Zahl selbst.

Große weiße, aufblasbare Kuppel in einer Messehalle, innen farbig ausgeleuchtet. Davor ein Spielstand mit Bildschirm und mehrere Besucher auf dem grauen Hallenboden.
Die Forum-Büh­ne der Game Access, eine auf­blas­ba­re Hal­le in der Hal­le. Hier saßen die bei­den Spre­cher.

Der Schwierigkeitsgrad wird zugewiesen.

Wer als Seni­or mit einer spe­zi­el­len Fähig­keit zu einer Fir­ma wech­selt, sag­ten die bei­den, zie­he im Easy Mode um. Wer am Anfang der Kar­rie­re steht, spie­le den Hard Mode: in Kon­kur­renz mit dem loka­len Nach­wuchs, und als Juni­or bekommt man in Chi­na nicht ein­mal ein Visum als wert­vol­le Arbeits­kraft. Was bei ihnen funk­tio­niert hat: ein beson­de­res Port­fo­lio und ein Netz­werk, das vor­her da war.

Easy Mode, Hard Mode. Der Begriff stammt aus dem Gam­ing-Umfeld, und er passt, weil er auf­zeigt, wie unter­schied­lich leicht oder schwer es für ver­schie­de­ne Men­schen sein kann, beruf­lich bedingt umzu­zie­hen. Anders als im Spiel stellt man die Schwie­rig­keit beim Umzie­hen aller­dings nicht selbst ein. Sie wird zuge­wie­sen, vor dem ers­ten Schritt, durch Din­ge, die mit Mut oder Anpas­sungs­fä­hig­keit nichts zu tun haben. Der Pass, die Spra­che, das Ein­kom­men, die Bran­che, das Geschlecht und die Fra­ge, ob jemand mit­kommt und dort arbei­ten darf.

Die bei­den auf der Büh­ne spre­chen aus dem Easy Mode, das wis­sen sie. Vier der Stell­schrau­ben, die dar­über ent­schei­den, las­sen sich mit For­schung unter­le­gen. Bei jeder zeigt sich das­sel­be Mus­ter: Die Schwie­rig­keit liegt sel­ten in der Per­son. Sie liegt in den Bedin­gun­gen.

Messewand mit der Aufschrift "Carrer Wall, your next chapter starts here". Darunter zwei Reihen bunter Stellenanzeigen verschiedener Spielestudios mit QR-Codes. Links geht eine Person in grünem Kapuzenpullover mit der Aufschrift "Multiplayer" vorbei.
Care­er Wall auf der Game Access. Von QA-Tes­ter bis Lead, von Brno bis Brigh­ton. Der Schwie­rig­keits­grad steht hier auf Papier.

Erste Stellschraube: der Pass

Einer der bei­den brach­te es auf eine For­mel: Euro­päi­sche Geset­ze machen das Umzie­hen leich­ter, und in den meis­ten Gam­ing-Jobs in Euro­pa spricht man Eng­lisch. Inner­halb der EU ist Relo­ca­ti­on recht­lich der Easy Mode. Frei­zü­gig­keit heißt: kein Visum, kein Arbeit­ge­ber, der über den Auf­ent­halt ent­schei­det, kein Count­down nach einer Kün­di­gung. Wer von außer­halb kommt, spielt ein ande­res Spiel. Der Auf­ent­halt hängt am Arbeits­ver­trag, der Ver­trag am Arbeit­ge­ber, und damit hängt am Arbeit­ge­ber sehr viel mehr als das Gehalt. Eine Kün­di­gung ist dann kein Kar­rie­re­knick, son­dern eine Frist.

Die Sta­tis­tik zeich­net die Trenn­li­nie nach. Nach Euro­stat-Daten arbei­ten Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge in der EU fast dop­pelt so häu­fig unter­halb ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on wie Ein­hei­mi­sche, 2023 rund 39 gegen­über 21 Pro­zent. [2] Der Pass ent­schei­det nicht nur, ob man kom­men darf. Er ent­schei­det mit, was die eige­ne Arbeit dort wert ist.

Zweite Stellschraube: der Abschluss

Die OECD hat über Jah­re unter­sucht, was mit Qua­li­fi­ka­tio­nen pas­siert, wenn sie eine Gren­ze über­que­ren. Das Ergeb­nis lässt sich hart zusam­men­fas­sen: Sie ver­lie­ren an Wert. Mess­bar. Im OECD-Durch­schnitt sind 27 Pro­zent der hoch­qua­li­fi­zier­ten Zuge­wan­der­ten mit aus­län­di­schem Abschluss nicht erwerbs­tä­tig, wei­te­re 26 Pro­zent arbei­ten for­mal über­qua­li­fi­ziert. Bei Hoch­qua­li­fi­zier­ten mit einem im Inland erwor­be­nen Abschluss lie­gen die­sel­ben Wer­te bei 20 und 18 Pro­zent. [3]

Der bemer­kens­wer­tes­te Befund: Für die Arbeits­markt­chan­cen zählt der Ort des Abschlus­ses mehr als die Her­kunft der Per­son. Nicht, wer du bist, son­dern wo dein Zeug­nis gedruckt wur­de. Aner­ken­nungs­ver­fah­ren kön­nen das kor­ri­gie­ren, sie ver­bes­sern Beschäf­ti­gungs­chan­cen und Ein­kom­men deut­lich. Aber die wenigs­ten durch­lau­fen sie, die Ver­fah­ren sind lang­sam, frag­men­tiert, in vie­len Beru­fen unbe­kannt. [3] Ein Sys­tem, das einen Kor­rek­turme­cha­nis­mus hat und ihn kaum jeman­dem zugäng­lich macht, hat genau genom­men kei­nen.

Die bei­den auf der Büh­ne kann­ten das prak­ti­sche Gegen­stück. Der wert­volls­te Relo­ca­ti­on-Ser­vice, sag­ten sie, sei nicht das Umzugs­un­ter­neh­men, son­dern jemand Loka­les, der zu allen Behör­den­ter­mi­nen mit­geht und beim Papier­kram hilft. Und: Man müs­se die Spra­che ler­nen, sonst bekom­me man die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen nie. [1]

Dritte Stellschraube: die Person daneben

Einer der bei­den, selbst seit Jah­ren unter­wegs, sag­te einen Satz, der den Gla­mour aus dem Expat-Leben nimmt: Ich habe mehr Flug­mei­len als man­cher Pilot, ich bin 47, geschie­den, kei­ne Kin­der. Und dann: Viel schwe­rer ist es für die, die mit dir zie­hen. [1]

Die Relo­ca­ti­on-For­schung kennt die­se Figur seit den Acht­zi­gern, und sie kommt in den Erzäh­lun­gen vom muti­gen Schritt fast nie vor: den mit­zie­hen­den Part­ner, die mit­zie­hen­de Part­ne­rin. Im Eng­li­schen lan­ge trai­ling spou­se genannt, ein Begriff, der das Pro­blem gleich mit­lie­fert. Hin­ter­her­zie­hend, die zwei­te Stel­le.

Eine Unter­su­chung von 258 Dop­pel­kar­rie­re-Paa­ren zeig­te schon Ende der Neun­zi­ger, dass der Stress des Aus­lands­ein­sat­zes wesent­lich über die Situa­ti­on des Part­ners läuft. [4] In Über­sichts­ar­bei­ten zur Ent­sen­dungs­for­schung gehö­ren bis heu­te die Kar­rie­re­sor­gen des mit­zie­hen­den Part­ners, sein Wider­stand gegen den Umzug und die Belas­tung der Part­ner­schaft zu den am häu­figs­ten berich­te­ten Grün­den, wenn ein Aus­lands­ein­satz schei­tert. [9] Anders gesagt: Ob ein Umzug gelingt, ent­schei­det oft nicht die Per­son, die den Job hat, son­dern die Per­son, die für die­sen Job alles ande­re auf­ge­ge­ben hat. Sie trägt in die­ser Hin­sicht den Hard Mode, damit jemand ande­res im Easy Mode spie­len kann. Meist ist die­se Per­son eine Frau. [10]

Ein Umzug ist zwei Umzü­ge. Den zwei­ten, den der Per­son dane­ben, erwäh­nen die Mut­ge­schich­ten sel­ten.

Vierte Stellschraube: die Zahlen selbst

Zurück zu den 75 Pro­zent von der Büh­ne. Ich habe die Zahl nicht veri­fi­zie­ren kön­nen, in kei­ner Stu­die, die ich fand. Viel­leicht ist sie die ehr­li­che Lebens­bi­lanz eines Man­nes, der es oft genug gese­hen hat. Als belast­ba­re Sta­tis­tik exis­tiert sie mei­nes Wis­sens nicht.

Dabei bin ich auf etwas gesto­ßen, das die gan­ze Fra­ge in ein ande­res Licht rückt. Die bekann­tes­te Zahl der Expat-For­schung über­haupt, die Behaup­tung, 25 bis 40 Pro­zent aller Aus­lands­ein­sät­ze schei­ter­ten, ist nach­weis­lich ein Mythos. Anne-Wil Har­zing hat 1995 die Zitier­ket­ten des Fel­des aus­ein­an­der­ge­nom­men und gezeigt: Die Zahl geht auf drei viel­zi­tier­te Arti­kel zurück, von denen nur einer über­haupt empi­ri­sche Daten ent­hielt, und des­sen Daten zeig­ten nied­ri­ge Schei­terns­quo­ten. Jahr­zehn­te­lang hat ein For­schungs­feld eine Kri­se beschrie­ben, die so nie belegt war, weil alle von­ein­an­der abschrie­ben statt nach­zu­se­hen. [5]

Das ist mehr als eine Fuß­no­te für Metho­den­fans. Es heißt: Selbst das Wis­sen über das Schei­tern beim Ankom­men steckt fest in sei­ner eige­nen, unge­prüf­ten Erzäh­lung. Und es heißt für jeden Text wie die­sen, auch für die 75 Pro­zent von der Büh­ne: Die dra­ma­ti­sche Zahl ist die, die man zwei­mal prü­fen muss.

Randnotiz zur Branche der beiden

Dass aus­ge­rech­net zwei Spie­le­ent­wick­ler die­ses Gespräch führ­ten, ist kein Zufall. Die Bran­che ver­langt inter­na­tio­na­le Mobi­li­tät wie kaum eine ande­re, und sie hat zugleich die Net­ze dün­ner gemacht, die einen miss­lun­ge­nen Umzug auf­fan­gen. Wie dünn, zeig­te sich zuletzt am 10. Juni: Ubi­s­oft kün­dig­te die Schlie­ßung von zwei Stu­di­os an, Win­ni­peg mit rund 65 und Bel­grad mit rund 100 Beschäf­tig­ten, dazu 51 Ent­las­sun­gen in Bar­ce­lo­na bei gleich­zei­ti­ger Aus­rich­tung des Stand­orts auf die Rain­bow-Six-Rei­he und wei­te­re Ein­schnit­te in San Fran­cis­co und im glo­ba­len Publi­shing, ins­ge­samt bis zu 380 Stel­len. [8] Es war die sechs­te Ent­las­sungs­run­de des Kon­zerns allein in die­sem Jahr, Teil eines Spar­pro­gramms von rund 500 Mil­lio­nen Euro. Wer für so ein Stu­dio das Land gewech­selt hat, lernt die Stell­schrau­ben von oben in der har­ten Rei­hen­fol­ge ken­nen. Das ist eine Ver­schär­fung des all­ge­mei­nen Mus­ters, kei­ne Aus­nah­me davon.

Der Hard Mode hat keine Richtung

Dass Ankom­men davon abhängt, in wel­cher Schicht eines Sys­tems man ankommt, habe ich am est­ni­schen e‑Re­si­den­cy-Sys­tem beschrie­ben: außen rei­bungs­los, innen zäh, und die Rei­bung erwischt einen, ob man umzieht oder nicht. [6] Die bei­den auf der Büh­ne in Brno haben nur über eine Rich­tung gespro­chen, das Weg­ge­hen. Dass der Schwie­rig­keits­grad nicht ein­mal an die­ser Rich­tung hängt, ist kein Gedan­ke von der Büh­ne. Er kam mir eine Woche vor­her, in Tal­linn, in einem Gespräch über die Rück­kehr.

Mein Gesprächs­part­ner war aus Frank­reich zurück­ge­kehrt, wo er lan­ge gelebt und gear­bei­tet hat­te. Jetzt wun­der­te er sich, wenn ein Bekann­ter erwähn­te, einen gemein­sa­men Freund seit Janu­ar nicht gese­hen zu haben, obwohl bei­de nur eine Stadt von­ein­an­der ent­fernt woh­nen. Sein Kom­men­tar dazu: So groß ist das Land doch nicht.

Er setz­te die­sen Bericht in Bezie­hung zum est­ni­schen Hang, es sich zu Hau­se gemüt­lich zu machen, nicht nur in der lan­gen dunk­len Jah­res­zeit, und dazu, dass ober­fläch­li­che sozia­le Kon­tak­te vie­len hier wenig bedeu­ten. Es ist die­sel­be est­ni­sche Zurück­hal­tung, die den Zuge­zo­ge­nen das Ankom­men schwer macht und Heim­keh­ren­de auf ein­mal befrem­det. Was er beschreibt, ist kein Heim­weh und kein Frem­deln mit einem neu­en Ort. Es ist die Rei­bung der Rück­kehr: Die Hei­mat hat sich nicht ver­än­dert, er schon.

Die For­schung kennt das Phä­no­men und bestä­tigt sei­ne kon­train­tui­ti­ve Här­te. Die Rück­kehr fällt vie­len schwe­rer als der Aus­zug. Wer geht, rech­net mit Fremd­heit und bekommt oft Vor­be­rei­tung und Unter­stüt­zung. Wer zurück­kommt, rech­net mit Ver­traut­heit und bekommt nichts, denn kaum jemand hält die Rück­kehr für einen Über­gang. [7] Der Schwie­rig­keits­grad hängt also nicht ein­mal an der Rich­tung. Er hängt dar­an, ob irgend­je­mand, ein­schließ­lich man selbst, den Schritt über­haupt als Über­gang ernst nimmt.

Was bleibt

Wir erzäh­len Umzü­ge als Mut­ge­schich­ten, und der Mut ist real. Aber Mut ist unge­fähr gleich ver­teilt. Die Bedin­gun­gen sind es nicht. Der Pass, der Abschluss, die Per­son dane­ben, die Belast­bar­keit der Zah­len, mit denen wir über all das reden: Das sind die Reg­ler, an denen der Schwie­rig­keits­grad ein­ge­stellt wird, lan­ge bevor jemand den ers­ten Kar­ton packt.

Einer der bei­den auf der Büh­ne sag­te, es gehe immer um den Zweck: War­um will ich über­haupt weg, was suche ich, was gibt mir der jet­zi­ge Ort nicht? [1] Eine gute Fra­ge, und eine, die man sich nur leis­ten kann, wenn der Pass, der Abschluss und das Netz­werk schon stim­men. Wer im Easy Mode ange­kom­men ist, hält das eige­ne Ankom­men leicht für eine Fra­ge der Hal­tung.

Das ist der stills­te Effekt der gan­zen Mecha­nik: Sie macht ihre Gewinner*innen blind für sich selbst. Die Fra­ge ist nicht, wer den Schritt schafft. Die Fra­ge ist, auf wel­cher Stu­fe jemand ihn gehen muss und wer die­se Stu­fe ein­ge­stellt hat.

Hinweis zur Berichterstattung

Dies ist eine Feld­no­tiz mit recher­chier­ter Ein­ord­nung, kein voll­stän­di­ger Bericht. Der Auf­hän­ger stammt aus einem öffent­li­chen Büh­nen­talk auf der Game Access in Brno (Mai 2026). Der Autor war Zuhö­rer im Publi­kum, nicht Inter­view­er. Die Aus­sa­gen der bei­den Spre­cher sind als Para­phra­se aus eige­nen Noti­zen und Erin­ne­run­gen wie­der­ge­ge­ben, nicht als wört­li­che Zita­te. Der Gesprächs­part­ner aus Tal­linn wird anonym geführt. Die For­schungs­be­fun­de stam­men aus den unten genann­ten Quel­len.

Quel­len (bei Bedarf auf­klap­pen)


[1] Büh­nen­talk: Miloš Jeřá­bek (Ten­cent) und Lukáš Codr (Vir­tu­os), "The Good, the Bad, and the Ugly of Moving Abroad", Game Access, Brno, 29. Mai 2026, Forum-Büh­ne; sowie Pro­gramm­text der Ver­an­stal­tung. Der Autor war Zuhö­rer im Publi­kum. Die wie­der­ge­ge­be­nen Aus­sa­gen sind Para­phra­sen aus eige­nen Noti­zen und Erin­ne­run­gen; es wer­den kei­ne wört­li­chen Zita­te bean­sprucht.

[2] Euro­stat, Migrant inte­gra­ti­on sta­tis­tics - over-qua­li­fi­ca­ti­on (Daten­satz lfsa_eoqgan; Pres­se­mit­tei­lung vom 26. Juli 2024). Geprüf­ter Befund: 2023 waren erwerbs­tä­ti­ge Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge in der EU "fast dop­pelt so häu­fig" über­qua­li­fi­ziert wie Ein­hei­mi­sche (39,4 % gegen­über 20,8 %); EU-Ausländer*innen lagen bei 31,3 %. Die Kenn­zahl bezieht sich auf die Staats­an­ge­hö­rig­keit, nicht auf den Ort des Abschlus­ses (Letz­te­res sie­he [3]).

[3] OECD (2017), Making Inte­gra­ti­on Work: Assess­ment and Reco­gni­ti­on of For­eign Qua­li­fi­ca­ti­ons. OECD Publi­shing. Kenn­zah­len: 27 % nicht erwerbs­tä­tig / 26 % über­qua­li­fi­ziert bei aus­län­di­schem Abschluss gegen­über 20 % / 18 % bei inlän­di­schem Abschluss; Ort des Abschlus­ses wirkt stär­ker als Her­kunft der Per­son; gerin­ge Inan­spruch­nah­me der Aner­ken­nungs­ver­fah­ren.

[4] Har­vey, M. (1998), Dual-care­er cou­ples during inter­na­tio­nal relo­ca­ti­on: The trai­ling spou­se. Inter­na­tio­nal Jour­nal of Human Resour­ce Manage­ment, 9(2), 309-331. Befra­gung von 258 Dop­pel­kar­rie­re-Paa­ren.

[5] Har­zing, A.-W. (1995), The per­sis­tent myth of high expa­tria­te fail­ure rates. Inter­na­tio­nal Jour­nal of Human Resour­ce Manage­ment, 6(2), 457-474. Ergän­zend: Har­zing, A.-W. (2002), Are our refe­ren­cing errors under­mi­ning our scho­lar­ship and cre­di­bi­li­ty? The case of expa­tria­te fail­ure rates. Jour­nal of Orga­niza­tio­nal Beha­vi­or, 23, 127-148.

[6] Björn Burg­hard, "Built for Distance", Way­cleft, 4. Juni 2026. waycleft.com/built-for-distance. (Eige­ne frü­he­re Feld­no­tiz: Schicht-Modell des Ankom­mens, est­ni­sche digi­ta­le vs. phy­si­sche Zuge­hö­rig­keit, est­ni­sche Zurück­hal­tung im sozia­len Raum.)

[7] Szkud­la­rek, B. (2010), Reen­try - A review of the lite­ra­tu­re. Inter­na­tio­nal Jour­nal of Inter­cul­tu­ral Rela­ti­ons, 34(1), 1-21. Geprüf­ter Befund: Die Rück­kehr ist ein eigen­stän­di­ger, schlecht beglei­te­ter Über­gang; Pro­ble­me der Rück­kehr tre­ten "lar­ge­ly unex­pec­ted" auf, weil Rück­keh­ren­de Ver­traut­heit erwar­ten. Dass die Rück­kehr min­des­tens so belas­tend sein kann wie der Hin­weg, ist in der Lite­ra­tur breit belegt (z.B. auch Har­zing 1995: "retur­ning home poses even lar­ger pro­blems than the for­eign assign­ment its­elf").

[8] Game Deve­lo­per, 10./11. Juni 2026: "Ubi­s­oft clo­sing Win­ni­peg and Bel­gra­de stu­di­os and making fur­ther lay­offs". gamedeveloper.com. Geprüft und mehr­fach bestä­tigt (u. a. PC Gamer, Engad­get, PocketGamer.biz): Schlie­ßung der Stu­di­os Win­ni­peg (rund 65 Beschäf­tig­te) und Bel­grad (rund 100); 51 Ent­las­sun­gen in Bar­ce­lo­na bei Aus­rich­tung des Stand­orts auf die Rain­bow-Six-Rei­he; wei­te­re Ein­schnit­te in San Fran­cis­co und im glo­ba­len Publi­shing; ins­ge­samt bis zu 380 betrof­fe­ne Stel­len; sechs­te Ent­las­sungs­run­de des Kon­zerns 2026; Teil eines Spar­pro­gramms von rund 500 Mio. Euro.

[9] Fili­pič Ster­le, M., Fon­taine, J. R. J., De Mol, J., & Ver­hof­stadt, L. L. (2018), Expa­tria­te Fami­ly Adjus­t­ment: An Over­view of Empi­ri­cal Evi­dence on Chal­lenges and Resour­ces. Fron­tiers in Psy­cho­lo­gy, 9, 1207. doi:10.3389/fpsyg.2018.01207. Über­sichts­ar­beit; refe­riert u. a. Laza­ro­va et al. (2015), wonach Kar­rie­re­sor­gen des mit­zie­hen­den Part­ners, des­sen Wider­stand gegen den Umzug und Part­ner­schafts­kri­sen zu den am häu­figs­ten berich­te­ten Grün­den für das Schei­tern von Aus­lands­ein­sät­zen zäh­len. (Abzu­gren­zen von der Höhe der Schei­terns­quo­te, vgl. [5]: Der Mythos betrifft das Aus­maß, nicht die genann­ten Grün­de.)

[10] Biel­by, W. T., & Biel­by, D. D. (1992), I Will Fol­low Him: Fami­ly Ties, Gen­der-Role Beliefs, and Reluc­tance to Relo­ca­te for a Bet­ter Job. Ame­ri­can Jour­nal of Socio­lo­gy, 97(5), 1241-1267. doi:10.1086/229901. Beleg für den Mecha­nis­mus: Mobi­li­tät folgt über­wie­gend der Kar­rie­re des Man­nes, das Mit­zie­hen wird über­wie­gend von Frau­en getra­gen. Quan­ti­ta­ti­ve Stüt­ze: Bran­chen­üb­li­che Mobi­li­täts­er­he­bun­gen bezif­fern den Frau­en­an­teil unter den inter­na­tio­nal Ent­sand­ten über­ein­stim­mend auf etwa 20 bis 25 Pro­zent (u. a. World­wi­de Sur­vey of Inter­na­tio­nal Assign­ment Poli­ci­es and Prac­ti­ces; RES Forum), der mit­zie­hen­de Part­ner ist ent­spre­chend über­wie­gend weib­lich.